Mittlerweile bin ich wieder in Anan und genieße die letzte Zeit hier. Am Donnerstag Abend hat mein Betrieb eine Abschiedsfeier für mich veranstaltet. Neben viel Bier und Sake, wurde auch für Sushi, Pizza und Snacks gesorgt.
Es war ein sehr schöner Monat in Tokyo und ich habe viele nette Leute kennen gelernt.
Ich hoffe, dass ich nächstes Jahr wieder kommen kann um Mr. Yamamoto, in dem ich einen guten Freund gefunden habe, zu besuchen.
Am letztem Samstag Abend und Sonntag Morgen wurde, ganz in der Nähe von meinem Apartment, ein traditionelles Straßenfest gefeiert. Neben traditioneller Kleidung und Trommelmusik, gab es einen kleinen Markt und viel Sake.
Ich genoss die spannende Atmosphäre und kaufte mir ein Los bei einer Tombola. Das Glück war mir hold und ich gewann eine Softair Pistole – made in china. Da der deutsche Zoll keine Einfuhr von diesen täuschend echten Waffen erlaubt, werde ich sie wohl verschenken.
Sonntag Nacht begab ich mich erneut nach Roppongi, da ich das Spiel gegen Australien mit anderen Deutschen schauen wollte. Leider ist die Zeitverschiebung äußerst ungünstig, so dass der Anpfiff um 3.30 Nachts war.
Bernd’s Bar war geschlossen, daher hielt ich Ausschau nach weiteren Sportbars. Ich traf drei Deutsche, zwei Mädels und ein Junge, die Working Holiday in Japan machen. Es war sehr ungewohnt mit Deutschen zu sprechen, da ich schon länger nicht von Angesicht zu Angesicht mit einem Deutschem sprach.
Wir gingen in einen Tanzclub, da es noch 2 Stunden bis zum Anpfiff waren. Sonntags Nachts ist allerdings nicht so viel los, von daher machten wir uns nach kurzer Zeit wieder auf den Weg.
Wir trafen ein paar andere Deutsche, die teils in Tokyo arbeiten und teils zum Urlaub hier sind. Ich schloss mich Ihnen an und wir begaben uns in eine Bar, in der ein Public Viewing Event eingerichtet worden sei.
Das Doitsunet hat diese Bar gemietet (eigentlich ein Stripclub) und überträgt alle deutschen Spiele auf mehreren Bildschirmen. Der Laden war voller Deutschen und ein paar Australiern. Ich genoss das tolle Spiel und fühlte mich seit langem wieder heimisch.
Am frühem Morgen verließ ich mit 2 Australiern, die in meiner Gegend wohnen, die Bar und fuhr nach Hause. Trotz der Niederlage waren beide, ein Jung und ein Mädel, gut gelaunt.
Nach einer Stunde Schlaf duschte ich mich und ging zur Arbeit.
Am Freitag bin ich nach Roppongi (Party- und Ausländerstadtteil) gegangen, um mir das Eröffnungsspiel zwischen Südafrika und Mexiko anzugucken. Auf Grund der Zeitverschiebung fing das erste Spiel um 23 Uhr an. Zuvor habe ich im Internet recherchiert, wo man am besten Fußball gucken könnte.
Ich habe eine deutsche Kneipe namens “Bernd’s Bar” gefunden, die einen guten Eindruck machte. Da ich seit langem nicht mehr deutsch geredet und kein deutsches Bier getrunken habe, war es eine willkommene Abwechslung für mich.
Die Straßen von Roppongi sind voller Menschen, die großteils nur Party im Kopf haben. So sieht man hier ca. 70% Ausländer, großteils aus den USA.
Die Kneipe war gemütlich eingerichtet und hatte eine schöne Bierauswahl, leider war der Preis (~8.50€ für ein Bier) nicht so prickelnd. Ungefähr die Hälfte der Kunden waren Deutsche, allerdings war ich mit Abstand der jüngste Deutsche .
Ich genoss das Spiel und begab mich danach zu einer weiteren Kneipe, welche um einiges Größer war. Diese englische Kneipe war voller Menschen, die sich schon sehr auf das 2 Spiel des Abends (halb 4 Nachts) freuten.
In der Zwischenzeit habe ich einen Abstecher in ein Hard Rock Cafe gemacht, in der wirklich interessante Gestalten saßen.
Ich lernte viele interessante Menschen an diesem Abend kennen und genoss die Zeit in Roppongi. Das Deutschlandspiel Sonntag Nacht werde ich wieder in Bernd’s Bar Fußball gucken.
In letzter Zeit habe ich viel Zeit in Toshio Shimada’s Tattoo Studio verbracht. Toshio ist ein bekannter Künstler, der Kunden auf der ganzen Welt hat. Da er halb brasilianisch und halb japanisch ist, spricht er viele Sprachen, darunter auch Englisch. Seine Spezialgebiet sind japanische Motive und er beherrscht seinen Freihand-Stil sehr gut.
Ich habe mir vor 2 Monaten einen Termin bei ihm geholt und war vor 2 Wochen das erste Mal bei ihm, um das Motiv zu besprechen. Meine Idee war etwas typisch japanisches, was mich immer an diese faszinierende Zeit erinnern wird. Besonders der langlebige und Wasserfall-bezwingende Koifisch hat es mir angetan. Wir entschieden uns den rechten Oberam und ein Teil der Brust zu nutzen, um meinen Traum zu realisieren.
Ein paar Tage später hatte ich meine erste Sitzung. Obwohl ich schon Erfahrungen mit Tätowierungen habe, war ich sehr aufgeregt und voller Vorfreude. Leider mussten wir in der Nacht arbeiten, da ich innerhalb der Woche arbeiten muss und er am Wochenende wenig Zeit hat.
Wir fingen also um 1 Uhr Nachts an mit dem Koi auf dem Oberarm. Ich war sehr müde, da ich zuvor auf Arbeit war und im Anschluss zu Essen eingeladen wurde. Trotz der Müdigkeit schmerzte es vor allem am Ende sehr. Nach 5 Stunden war die erste Sitzung endlich zu Ende und ich betrachtete voller Stolz meinen neuen Freund .
Wenige Stunden später musste ich wieder zur Arbeit…
Die nächste Sitzung sollte um einiges kürzer sein, so kam ich 4-5 Tage später in sein Studio und wir fingen mit dem zweiten Motiv an, welches ich mir überlegt hatte. Ich war, nach dem der Koi fertig war, etwas unschlüssig, was ich mit dem freiem Platz anfangen sollte. Ich dachte erst an eine Nō-Maske oder einen zweiten Koi, allerdings war ich davon nicht wirklich überzeugt. Ich schlief drüber und hatte einen sehr guten Einfall, der mich direkt überzeugte. Ich wollte eine Schlange, da sie in meinen Augen gut zum Koi passt und für mich ein faszinierendes Tier ist.
Toshio tätowierte mir den Schlangenkopf auf meine Brust und nach 2 Stunden machten wir einen neuen Termin aus, da ich zu sehr am bluten war.
Die dritte und letzte Sitzung konnten wir glücklicherweise am Wochenende machen. Am frühem Samstag Nachmittag fing er an weitere Sakura Blüten zur Verzierung zu zeichnen. Wohlgemerkt zeichnet er Freihand auf meinen Körper, was nicht viele Tätowierer machen, bzw. machen können. An der Innenseite meines Armes verläuft der Schwanz der Schlange, was nach 6 Stunden endlich fertig gestellt wurde. Vor allem die letzte Stunde, war das schmerzhafteste, an das ich mich erinnern kann.
Ich bin sehr sehr glücklich über meine neue Tätowierung und freue mich drauf mich, auch im Alter, an diese schöne Zeit erinnern zu können.
Bio: Hi! Ich bin Leon und studiere derzeit Technische Informatik an der Fachhochschule Osnabrück.
Im März 2010 bin ich nach Japan geflogen, um ein freiwilliges Praxissemester zu absolvieren. Dort probierte ich innerhalb von 4 Monaten, neben Forschungen in Anan und einem Praktikum in Tokyo, so viel wie Möglich zu erleben.
Diese Erfahrungen, die ich in diesem faszinierendem Land gesammelt habe, möchte ich mit euch teilen!